Arbeit in neuem Licht sehen.

Beleuchtungstechnologie am Arbeitsplatz.

Moderne Bürobeleuchtung lässt uns nicht nur besser sehen, sondern kann die gesamte Atmosphäre aufhellen – wie wär’s mit einem Sonnenuntergang im Büro … ?

Im einfachsten Fall ist das schnelle Unterscheiden eines C von einem O von der Menge des zur Verfügung stehenden Lichtes abhängig. Hier gilt – bis zu einem bestimmten Maß – die Regel „Viel hilft viel“. Lesen wir eine Zeitung im Lichte des Vollmondes, können wir nur die Überschriften erkennen. Eine Tischleuchte stellt in der Regel die volle Lesbarkeit aller Texte her, im Sonnenlicht können wir sogar noch Details der Papierfasern erkennen. Viel Licht auf der Arbeitsfläche erleichtert unserem Sehsinn das Erkennen der wirklich wichtigen Details. Zahllose Untersuchungen in den letzten 50 Jahren haben immer wieder gezeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Beleuchtungsstärke auf der Arbeitsfläche und der Produktivität bzw. der Reduzierung von Fehlern gibt.

Lichtenergie für die innere Uhr


Dass wir über den Tag verteilt unterschiedliche Phasen der Aktivität und der Ruhe erleben, liegt unter anderem an der Anpassung unseres Körpers an den Hell-Dunkel-Zyklus des (Tages-)Lichtes. Steht Licht nicht ausreichend oder zur „falschen Zeit“ zur Verfügung, kann es zu Irritationen unserer inneren Uhr kommen. Dies kennen wir im Zusammenhang mit dem Jetlag, der Schichtarbeit und der Winterdepression. Für das Büro heißt das: Am Tage muss für einen möglichst guten Kontakt zum Tageslicht und gegebenenfalls künstliche Zusatzbeleuchtung gesorgt werden, am Abend sollte die Balance zwischen dem Bedürfnis nach Ruhe – das heißt gedämpftem Licht – und der Sicherstellung der Sehleistung ermöglicht werden.

Vermeidung von Lichtstörungen


Blendung und Reflexblendung von Lichtquellen hoher Helligkeit (Leuchtdichte) und ungünstiger Lichtrichtung sind die häufigsten Störungen durch Licht im Büro. Dies gilt im Prinzip gleichermaßen für die Sonne wie für die Leuchte. Eine gute Bürobeleuchtung wird durch geeignete Sonnenschutz-Maßnahmen wie Lamellen oder Sonnenschutzfassaden unterstützt, die eine Blendung durch die Sonne vermeiden. Durch die Auswahl geeigneter Leuchten und deren richtige Anordnung kann die künstliche Beleuchtung weitgehend blendfrei gestaltet werden.

Unterstützung der Architektur
 

Stellen Sie sich einen Büroraum vor, an dessen Decke die Leuchten unregelmäßig und offensichtlich zufällig hängen – in einem solchen Raum kann man sich nicht auf Dauer wohl fühlen. Nicht nur die Anordnung, auch die formale Qualität der Leuchten ist wichtig. Sie sollten in Form, Farbe und Materialität zur Architektur und Innenausstattung passen. Eine zu starke Abweichung führt bewusst oder unbewusst zu einer Irritation unseres Gesichtssinns und erzeugt Unbehagen.

Farbiges Licht holt die Sonne ins Büro
 

Untersuchungen beweisen, dass unsere Sehleistung mit ansteigender Farbtemperatur zunehmen kann. Anspruchsvolle Sehaufgaben sollten daher bevorzugt bei bläulich weißem und vorwiegend direktem Licht durchgeführt werden. Demgegenüber wird bei Beratungsgesprächen, Telefonaten oder Konferenzen, die unsere Sehleistung weniger beanspruchen, warmweißes indirektes Licht präferiert. Eine neue Leuchte berücksichtigt sowohl die Erkenntnisse der Farbpsychologie als auch die Ansprüche an moderne Büroarbeitsplätze. Sie kombiniert gezielt weißes Direktlicht für den Arbeitsbereich mit individuell steuerbarem farbigem Indirektlicht für das Raumumfeld. Drei dimmbare Leuchtstofflampen mit den Lichtfarben Rot, Grün und Blau, daher der Name „RGB-Leuchte“, sorgen für das farbige Indirektlicht. Lichtfarbe und Helligkeit sind individuell programmierbar. So kann beispielsweise auch der Zyklus des Tageslichts nachempfunden werden, von der Morgenröte bis zur Abenddämmerung.

Die RGB-Pendelleuchte im Einsatz bei der Ärztekammer Berlin. Sie wurde beim britischen Wettbewerb „FX International Interior Design Award 2002“ zum „Best Office Lighting“ gekürt.

Beleuchtungs-Check für die optimale Tageslichtversorgung

Bei der üblichen Anordnung der Fenster auf einer Raumseite sind Arbeitsplätze gut mit Tageslicht versorgt, wenn:

  • die Arbeitsplätze nicht weiter als 3 m vom Fenster entfernt liegen,
  • die Fensterflächen mindestens 40 Prozent der Fensterwandfläche betragen,
  • sich die Brüstung maximal 0,9 m und die Fensteroberkante mindestens 2,5 m über dem Boden befindet,
  • vom Arbeitsplatz aus ein hoher Anteil des Himmels – insbesondere des oberen, zenitnahen Himmels – zu sehen ist. Bei enger innerstädtischer Bebauung und/oder bei der Ausrichtung der Fenster zu Innenhöfen oder Atrien ist dies in den unteren Geschossen häufig nicht gewährleistet.

Unser Tipp:
Sollte einer dieser vier Punkte nicht erfüllt sein, empfiehlt es sich, diesen Raum nur für Aktivitäten zu nutzen, die nicht den ganzen Tag in Anspruch nehmen, z. B. für Meetings, Konferenzen oder Kurzzeitbüroarbeit von Außendienstmitarbeitern. Außerdem ist beider künstlichen Beleuchtung ein höherer Quantitäts- und Qualitätsmaßstab anzusetzen.

Ein „blendender“ Selbstversuch

Setzen Sie sich einmal normal an Ihren Arbeitsplatz und blicken Sie in die für die Ihre Arbeit typischen Richtungen.

Test 1:
Tauchen jetzt Leuchten in Ihrem Blickfeld auf, so decken Sie die Sicht darauf mit der Hand ab.

  • Wenn Sie nach dem Abdecken keine wesentliche Änderung des Wohlbefindens oder der Störempfindung bemerken, ist alles in Ordnung.
  • Wenn das Abdecken der Leuchte eine Erleichterung bedeutet, könnte sie eventuell nicht genügend entblendet sein. Um diesen Verdacht zu überprüfen, lassen Sie einen Fachmann in die Planungsunterlagen Einsicht nehmen.

Test 2:

  • Überprüfen Sie, ob auf glänzenden Arbeitsflächen, z.B. auf Bildschirmen oder auf Hochglanzbroschüren, störende Reflexbilder von Leuchten auftauchen, denen Sie nur schwer ausweichen können.
  • Das ist in der Regel ein Hinweis auf eine ungünstige Konstellation von Beobachter, Arbeitsfläche und Leuchtenanordnung oder eine zu helle Lichtquelle.
Die Anordnung der Leuchten senkrecht zum Fenster hat einige gestalterische Vorteile und unterstützt bei der Orientierung an den Bauachsen eine flexible Raumaufteilung durch Leichtbauwände.
 

Weiter sehen Gute Beleuchtung kann immer nur so gut sein wie die Qualität der Planungsunterlagen. Bei Investitionsobjekten wird die Bürobeleuchtung für Standard Raumaufteilungen und den aktuellen Stand der Büroorganisation und -gestaltung geplant und realisiert. Diese Annahmen spiegeln den Stand der Technik in der Regel sehr gut wider. Dennoch wird die tatsächliche spätere Nutzung zwangsläufig mehr oder minder stark von diesen Annahmen abweichen. Durch andere Raum- und Organisationskonzepte ist es durchaus denkbar, dass auf den Arbeitsflächen die geforderten Beleuchtungsstärken nicht erfüllt werden oder Störungen durch Blendung oder Reflexe entstehen. Unter Umständen weichen auch die vorhandenen Leuchten formal von der neuen Möblierung zu stark ab.

Eine Ausrichtung parallel zum Fenster ist besser geeignet, um Reflexblendung für den Benutzer zu vermeiden, wenn dessen Schreibtisch, wie üblich, senkrecht zum Fenster aufgestellt ist.
 

In allen Fällen ist es sinnvoll, mit der obigen Checkliste möglichen Abweichungen von einer guten Bürobeleuchtung nachzuspüren. Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass eine Verbesserung möglich und nötig ist, dann suchen Sie bitte die Unterstützung eines professionellen Lichtplaners. Adressen finden Sie im Branchenbuch oder über die unten angegebenen Internetadressen. Leuchtenhersteller beschäftigen häufig Lichtplaner oder können diese vermitteln. Auch Elektroplaner, die sich auf das Gebiet der Beleuchtungsplanung spezialisiert haben, können weiterhelfen. Ein erstes Beratungsgespräch ist meist kostenfrei. Hierzu sollten Sie die nach DIN EN 12464 für Arbeitsstätten verbindlichen Planungsunterlagen vorliegen haben.


Laut W. J. M van Bommel führt die Anhebung des Beleuchtungsniveaus von 300 auf 500 Lux zu einer Produktivitätssteigerung von durchschnittlich 8 %. Studien des Lichtforschers Prof. Christian Bartenbach belegen auch die negativen Seiten: Schlechtes Licht verringerte die Leistungsfähigkeit um 30 %.

Prof. Dr.-Ing. Paul W. Schmits

Hilfreiche Literatur-Tipps:

  • „Die Beleuchtung mit künstlichem Licht“, Fördergemeinschaft Gutes Licht (FGL), Heft 1
  • „Gutes Licht für Büros und Verwaltungsgebäude“, Fördergemeinschaft Gutes Licht (FGL), Heft 4
  • Download-Service für beide Schriften: www.licht.de

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