Ein unversöhnlicher Gegensatz?

Künstliche Außenbeleuchtung und Schutz der Nachtlandschaft

Die künstliche Außenbeleuchtung ist aus unseren Städten kaum mehr wegzudenken. Sie ermöglicht es, den öffentlichen Raum fast unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit zu nutzen. Allerdings hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten gezeigt, dass ein Übermaß an künstlicher Beleuchtung – egal ob Werbe- oder öffentliche Beleuchtung – auch negative Folgen haben kann. Vor allem jenes künstliche Licht, das in die obere Hälfte unserer Umwelt vordringt, wurde als problematisch erkannt. Von wem eigentlich?

Zuerst kamen die Astronomen, die im Umfeld ihrer Großobservatorien über den "Verlust des Sternenhimmels" klagten.

Im Südwesten der USA, in Arizona, wo wetterbedingt sehr gute Beobachtungsbedingungen herrschen und beeindruckende Teleskope stehen, wurde 1988 die "International Dark Sky Association" (IDA) gegründet – mit dem Ziel, künstliche Beleuchtung so zu gestalten, dass die Nachtlandschaft (engl. auch "nightscape" genannt) und der Blick in die Tiefen des Kosmos erhalten bleiben. Sogar in der Großstadt Tucson ist dies relativ gut gelungen.

DDr. Thomas Posch

Dabei kristallisierte sich bald eine einfache lichttechnische Lösung heraus: die sogenannten "full-cutoff (FCO)-Leuchten". Diese emittieren so gut wie gar kein Licht über der Horizontalen. Der Einsatz der FCO-Leuchten erweist sich als effiziente Möglichkeit, um die scheinbaren "Kontrahenten" Außenbeleuchtung und Schutz der nächtlichen Landschaft (einschließlich Sternenhimmel!) zu versöhnen.

Desorientierung durch Licht

In den letzten Jahren kamen Erkenntnisse aus anderen Wissenschaften hinzu, die dazu führten, die nächtliche Dunkelheit, dort, wo sie noch herrscht, als erhaltenswert einzustufen. Dazu gehören Resultate aus der Vogelkunde (Ornithologie), der Insektenkunde (Entomologie), der Chronobiologie und der Humanmedizin. Wie bei mehreren internationalen Konferenzen erörtert wurde, kann nämlich ein Zuviel an Licht zur falschen Zeit eine ganze Reihe von Organismen gehörig aus dem Gleichgewicht bringen. Desorientierte Zugvögel, die in den Strahlenkegeln von Skybeamern hilflos umherkreisen, Milliarden von Nachtfaltern, die jährlich an Beleuchtungskörpern verglühen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Wie das kürzlich erschienene Buch "Das Ende der Nacht – Die globale Lichtverschmutzung und ihre Folgen" dokumentiert, gibt es enorm viele Arten von Lebewesen, deren Tag-Nacht-Rhythmus durch gewisse Formen der künstlichen Beleuchtung so sehr gestört wird, dass sie zu Tode kommen. Ein dramatisches Beispiel aus den USA sind junge Meeresschildkröten, die an den Stränden Floridas infolge der Außenbeleuchtung nach dem Schlüpfen landeinwärts – genau in die falsche Richtung – kriechen und dann dort von Autos überfahren werden.

Gesundheitliche Folgen

Der Mensch profitiert zwar grundsätzlich von der Möglichkeit künstlicher Beleuchtung, im Innen- wie im Außenraum, doch zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden kann Licht, das in Schlafräume vordringt, nach neuen medizinischen Forschungen zu einem gesundheitsgefährdenden Faktor werden. Der Grund dafür ist, dass besonders in der zweiten Nachthälfte in unserem Organismus das Ruhehormon Melatonin freigesetzt wird; seine Freisetzung unterbleibt aber, wenn wir der Einstrahlung von Licht (z.B. durch eine in der Nähe des Schlafzimmerfensters befindliche Werbebeleuchtung) ausgesetzt sind. Die Folgen einer unterdrückten Melatonin-Synthese können – wie Tierversuche zeigten – bis hin zur leichteren Entstehung von Krebszellen reichen.

Lösungs-Ansätze

Viele Gründe sprechen dafür, künstliches Licht nur dort einzusetzen, wo wir es wirklich brauchen. Nur so kann es zu einer Wohltat werden statt zu einem neuen Umweltproblem. Die Nacht zum Tag zu machen, wie es in den Zentren mancher asiatischen Großstädte derzeit geschieht, kann hingegen nicht unser Ziel sein.

Technische Herangehensweisen

Lichttechnische Lösungen wie dimmbare Leuchten in Verbindung mit Zeitschaltuhren und die oben erwähnten Full-cutoff-Modelle können dazu beitragen, die "Lichtverschmutzung" zu reduzieren – im Interesse Aller. Unsere positive Kreativität ist hier gefragt.

Literatur:

Th. Posch, A. Freyhoff, Th. Uhlmann (Hg.): Das Ende der Nacht. Die globale Lichtverschmutzung und ihre Folgen. Wiley Verlag, Weinheim 2010.
ISBN 978-3-527-40946-4.

Tiroler Umweltanwaltschaft (Hg:): Die Helle Not. Künstliche Lichtquellen – ein unterschätztes Umweltproblem. Erhältlich auch am Institut für Astronomie der Universität Wien

Internetseiten:

http://www.hellenot.org
http://www.lichtverschmutzung.de
http://www.darksky.ch
http://homepage.univie.ac.at/thomas.posch/endedernacht/endedernacht.html

DDr. Thomas Posch
Institut für Astronomie
Türkenschanzstraße 17, A 1180 Wien

E-Mail: thomas.posch@univie.ac.at
http://homepage.univie.ac.at/thomas.posch

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